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An Bord der MA Isola

{ An Bord der MS Isola }

An Bord der MS Isola
ist alles seltsam still.
Der Motor, er ist abgestellt,
das Meer scheint gänzlich ungewellt,
kein Wind sich regen will.

An Bord der MS Isola
man redet nur halb laut.
Der Kapitän, er fragt den Koch:
„Wie sieht es aus, Piet, reicht es noch?“
„Ja, klar, Sir, kommt und schaut!“

Es ist so lange noch nicht her,
ein jeder wünschte sich,
dass dieses Schiff, das brüllt und schreit,
durch alle Höllen vorwärts treibt,
doch bremse gnädiglich.

Nun, da der Wunsch so harsch erfüllt,
die Mannschaft sitzt und träumt.
Der Maat, der Koch, der Kapitän,
ein jeder hofft, ‘s mög weitergehn,
der Wind mög‘ hin zum Ufer wehn;
wo Frau und Kind, wo Freunde stehn,
von Hecken eng umsäumt.

Auch dort, am Ufer, wartet man
und hofft von Herzen sehr,
dass dies Schiff, das sonst Knoten schreibt,
doch grad‘ durch eine Flaute treibt,
käm heimwärts übers Meer.

An Bord der MS Isola
ein jeder fragt: „Warum?“
Der Kapitän, er wispert bang:
„Piet, sag mir, reicht‘s gewiss noch lang?“
Der Koch, er nickt nur stumm.

An Bord der MS Isola
bleibt alles seltsam still.
Noch harrt die Crew geduldig aus,
schaut ruhig auf das Meer hinaus.
Noch haben wir April.


Birgit Hatzfeld,
Zur Zeit der Corona-Krise, am 4.4.20 verfasst